Rilkes allerorten

01.09.2016 18:28

Anrainer Maria Rilke

 

O Dio mio! Am Campo San Vio

Nichts als Kinder en masse

Und Volk in Wirtschaften,

Alle gleichzeitig schreiend.

Ein alter Übelstand, ein déchirement

Ohne Gleichen, weit in die Nacht

Hinein. Schlecht zu leben

Der Nachtbeginn und die Nacht,

Schlecht zu erleben

Am Campo San Vio. O Dio mio!

 

 

Innrainer Maria Rilke

 

Nur nach Riva! Nach Riva

Will ich hin.

Nach Riva! Nur nach Riva

Will ich zieh'n.

Innsbruck, ich muss

Dich lassen.

Die Luft schwer, das Tageslicht

Überhell. - Baldrian:

"Ah Dieu, merci!"

Paris.

 

 

Unrainer Maria Rilke

 

Väter, Söhne und auch Enkel

Trächtiger Sinne sind wir,

Hingehudelt und verhundertfacht,

So wusste er und schrieb es hin,

Unlesbar freilich für das geile Fleisch,

Untergegangen im kreißenden Gekreisch

Der Schenkel von Engeln

Mit scharfen Stacheln, nicht nur

Im Gesicht. So

Schrieb er es hin und wusste.

 

 

Hors poème - pour Gérard P.:

 

Hinrainer Maria Rilke

 

Baumhaus statt Palazzo Valmarana,

Kaulquappen statt Sarde in Saór,

Zwistel statt Stehpult,

In keinem Hotel da, wo es so heiß ist.

 

Der denkt eben mit, der Rudi!

Rainer am Maibach, Triest-Duino,

Rudi im Maybach, Tronchetto-Schwabing

In fünf Stunden,

Ein Europäer durch und durch.

 

Der

Sauft einen Bardolino

Zur Weißwurst statt einer Weißen,

Beneidet von seinem Hund,

Mit Santa Maria del Rosario

Am Horizont, am weiten, oder

Santa Maria Gloriosa dei Frari

Oder Santa Maria Formosa oder

Santa Maria della Salute

Im Rücken wie

Jener. Im Rückspiegel und

Im goldenen Haar die Sonne Venedigs,

Wirklich anmutig zum Anschauen.

 

 

 

 

 

 

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