April Fool

02.04.2018 23:28

What is left to be said and done when the evening is gone?

Die Kälte weicht, ohne zu vergehen. Ein Frühling folgt dem Winter. Der Winter bleibt.

In den Herzen wird's warm. Kummer und Harm denken nicht daran zu gehen.

Und dennoch!

's ist alles gut. Nein, besser. Besser als es war. So gut, wie es lange nicht gewesen sein wird.

Dank sei dem Herrn. Der nicht über, sondern in uns wohnt. Und nicht in dir oder ihr, sondern in mir. Der einzige, des man sich gewiss sein darf. "Erst wenn wir lange Jahre tot sind, sind wir ehrlich", so (oder ähnlich) Mark Twain, ehrlich zu uns selbst und anderen. So lange man lebt, ist man unehrlich. Und deswegen doch nicht unaufrichtig. Denn auch die dreisteste Lüge kann aufrichtig sein, aufrichtig gemeint. Aufrichtig ist, wer nicht einfach wiederholt, von dem er weiß, dass der andere es gern hört. So viel es zu sagen gibt, so viel gibt es zu verschweigen. Dass, wes das Herz voll ist, auch der Mund übergeht, ist auch eine dieser Lügen, die am Kliff der gelebten Erfahrung zerschellen; das Herz kann so voll sein, dass der Mund gar nicht erst aufzugehen wagt - vor allem, wenn er sich bereits mehrmals (oder nur einmal) am eigenen Überlaufen verbrannt hat. Dass es viel zu sagen gäbe, ist schlicht nicht wahr. Es gibt alles zu sagen, und alles ist nicht viel, aber mehr als man sagen kann. Zumal man immer mehr sagt, als man meint. Der innere Reichtum verblasst angesichts der schieren Unendlichkeit der äußeren Vielfalt - dessen, was sich sagen ließe. Was sich schon gesagt haben wird, diesseits wie jenseits der eigenen Mündigkeit.

Wer aber schreibt, braucht langen Atem. Längeren Atem als der, der zu sagen beabsichtigt. Der Geist ("ruach") tötet - er verweht und vergeht -, die Schrift aber macht und hält lebendig. Eine einfache Wahrheit, die sich freilich nicht sagen lässt.

Es bleibt der Dank. Der grundlose, der abgründige. Der angesichts eines schlafenden Kindes im flackernden Licht einer Osterkerze. So grenzenlos wie kitschig. Mehr ist nicht zu sagen. Weniger auch nicht. Zu schreiben freilich.

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Doktor Boelderls Feine Wortwaren Klagenfurt & Wien boelderl@web.de